Wir freuen uns auf ein kräftiges Frühstück, um gut in den Tag zu starten. Doch was bekommen wir? Cracker und zwei Tassen Tee. Perfekt. Nicht. Aber hungrig oder nicht – wir treten trotzdem in die Pedale.
Entgegen unseres ursprünglichen Plans, über einen Bergrücken weiterzufahren, folgen wir dem Rat der Einheimischen: bergab. Klingt leicht, ist es aber nicht.
Die nächsten 700 Höhenmeter geht es auf einem völlig zerfurchten, schlammigen und von losen Felsbrocken übersäten Weg nach unten. Mountainbiken? Fehlanzeige. Das hier ist Rodeo. Jeeps und LKW kämpfen sich neben uns durch den Dreck – aber wir sind schneller. Und irgendwann? Macht es sogar Spaß.
So viel Spaß, dass wir prompt zu weit fahren. Wir hätten längst abbiegen müssen. Ups. Immerhin gibt’s im nächsten Dorf eine kleine Belohnung: zweites Frühstück! Danach heißt es: alles wieder bergauf. Uff.
Dank unserer ausgeprägten Orientierungslosigkeit landen wir immer wieder in kleinen Dörfern, wo uns die Bewohner weiterhelfen. So entdecken wir Ecken, die wir sonst nie gesehen hätten. Dann endlich: unsere erste Hängebrücke! Indiana-Jones-Feeling pur.
Im nächsten Ort machen wir an einem kleinen Laden Halt. Ein junger Gewürzhändler mischt dort frische Gewürze – seine Eltern bauen sie biologisch an. Und er hat eine Gewürzmischmaschine. Was es nicht alles gibt. Wieder was gelernt.
Die Strecke bleibt gnadenlos: holprige, steile, schlammige Straßen. Und die sengende Mittagssonne saugt uns den letzten Rest Energie aus den Knochen. Total erledigt rollen wir schließlich nach Arugath ein.
Eine weitere Hängebrücke bringt uns in den malerischen Ortskern, wo wir durch enge Gassen mit kleinen Läden fahren. Es gibt sogar ein paar Touristen. Und eigentlich … sollte hier Schluss sein.
Aber dann kommt die verrückte Idee.
Zwei Verrückte, eine spontane Entscheidung – und eine gehörige Portion Selbstüberschätzung. Wir fahren weiter.
Es ist 15 Uhr. Bis 18 Uhr wird es dunkel. Und wir haben noch 30 km vor uns. Kein Problem, oder?
Die Leute im Dorf sind sich uneinig, was uns erwartet:
„Zuerst steil bergauf. Danach … eher … lange bergab.“
Klingt machbar. Spoiler: war es nicht.
Die erste Steigung zieht sich ewig. Danach? Weiter bergauf. Noch mehr Steigung. Die Schatten werden länger, dann verschwindet die Sonne ganz. Wir fahren in der Dämmerung – und schließlich im Stockdunkeln.
Ohne Straßenbeleuchtung, mit nur unseren Stirnlampen. Ein leichtsinniges Unterfangen, aber zum Glück sehen wir ja nicht, wie schlecht der Weg wirklich ist.
Zum zweiten Mal an diesem Tag sind wir völlig am Ende, als wir endlich Gorkha erreichen. Aber: Wir haben es geschafft! Und das Beste? Morgen ist unser verdienter, teuer erkaufter Rad-Pausentag.
Was. Für. Ein. Ritt.